Rio de Janeiro – Caipirinha, Samba & Fussball

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Ganz uncool reisen wir von Foz do Iguaçu aus weiter. Ahnungslos schlendern wir abends zum Busbahnhof und denken, dass wir mal schauen welcher Bus uns wohin für die letzten 12 Tage bringen wird. Wir lassen uns treiben…Am Busterminal stellen wir dann aber schnell entsetzt fest, dass nach 18:45 kein Bus aus dieser Stadt mehr geht. Das ist in 10 Minuten. Schnell kaufen wir uns ein Ticket. Der letzte Bus geht nach Rio de Janeiro. Da wussten wir noch nicht was uns die nächsten 25 Stunden erwartet – 25 (!) Stunden:

Das erste Mal auf einer Nachtreise haben wir keinen klassisch modernen Schlafbus sondern eine klapprige und wacklige Stinkekiste. Die Sitze lassen sich nur beschränkt nach hinten stellen, die Klimaanlage bringt das Wasser zum Tropfen von der Decke und unsere mitreisenden Brasilianer sind ein Volk für sich:  sie plappern was das Zeug hält, rauchen im Bus und nehmen als erste (!) Amtshandlung auf der Reise das WC in Angriff, damit der letzte Real gespart werden kann. Wir fahren in einer Riesenwindel und wissen nicht, ob wir je wieder diesen Brechreiz loswerden.

Da die Stinkekiste kein Internet hat und man für die Benutzung von Wifi an brasilianischen Raststätten eine nationale Steuernummer braucht…die wir natürlich nicht haben…woher auch?! „Wir haben eine chilenische Steuernummer vom geplanten Autokauf. Geht die auch?“ –  „Nein!“  – Also entscheiden wir uns kurz nach unserer Ankunft am Busbahnhof in Rio im überteuerten Internetcafé spontan für ein Hotel– das sieht super aus und liegt zentral in Santa Teresa. Was für ein Prachtstück: unser Hotelzimmer hat Meerblick und ist suuuuuper. Um die Ecke gibt’s auch ein paar nette Bars, wo wir mit Antarctica Bier auf die warmen Temperaturen anstossen:

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Als wir am nächsten Tag die Stadt unsicher machen wollen, stellen wir fest, dass unser Hotel auf einem Hügel liegt und wir nirgendwo so richtig hinkommen. Denn die Gegend um Santa Teresa ist eher unsicher – vor allem nachts. Also buchen wir eine andere Bleibe und satteln auf. Wie zwei Elefanten schieben wir uns per pedes in der prallen Mittagshitze durch die schmalen Gassen erstmal Treppe runter, dann Treppe hoch. Die Einwohner von Rio de Janeiro nennen sich Cariocas und genau zwei von diesen tauchen auf einmal neben uns auf. Kurz vorher hatte schon ein Dritter Pfeiflaute gegeben…als uns dann andere Cariocas entgegen kommen und die beiden Burschen umdrehen und die gesamte Treppe runterlaufen wird uns Eines klar: unsicher ist die Stadt allemal!

Dann geht´s nur noch steil bergauf. Wir machen eine Stadttour und entdecken die wunderschönen Strände der Copacabana…

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… und Ipanema, wo man einen tollen Sonnenuntergang mit lecker Kokussnuss beobachten kann:

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In dieser Stadt steppt der Bär und wir gleich mit:  Samba und Caipirinha bis der Kopf knirscht. Unser Warm-Up findet auch am Strand statt:

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Doch Rio hat noch mehr zu bieten als nur Strand und Caipi. Wir machen im Zentrum eine zweite Stadttour. Erst gehen wir zur berühmten Treppe vom Fliesenleger Selarón – selbsternannter Kleinkünstler:

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…und dann fährt auf den berühmten Lapabögen – einst ein Aquädukt – sogar die Strassenbahn zum Test. Diese sollte seit 2014 bereits fertiggestellt worden sein und hätte uns sicher von Santa Teresa ins Zentrum gebracht:

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Anschliessend gehen wir in die grösste Kirche der Stadt und beten, dass uns nicht noch einmal die Langfinger angehen…

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Wir werden dieses Land als Fussballweltmeister 2014 doch nicht verlassen ohne einen Fussballklassiker geschaut zu haben. Die 7:1 Halbfinalsschlappe sitzt bei den Brasilianern immernoch tief:

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Wir kriegen Tickets für Rio´s Teams Flamengo vs. Vasco da Gama, die im Maracanã Stadion spielen, wo unsere 11 Weltmeister wurde. Schon auf dem Weg zum Stadion scheinen die Zeichen schlecht zu stehen. Wir laufen direkt in eine Tränengaswolke hinein. Auch wenn diese nicht für uns bestimmt war, kratzen wir uns die nächste halbe Stunde in den Augen…aber nicht nur deswegen:

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Es hört nicht auf zu giessen, der Ball rollt nicht mehr und das Spiel wird auf unabsehbare Zeit unterbrochen. Die Stimmung der 55.000 Fans bleibt weiterhin ungebrochen.

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Ab jetzt hat uns der Schlechtwetterfluch fest im Griff. Als wir den nächsten Tag zum berühmten Jesus alias Cristo Redentor wollen regnet es. Wir gehen Rodizio essen, Samba tanzen und Billiard spielen:

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Am nächsten Tag sind die Wolken noch da. Wir gehen Rodizio essen und Samba tanzen:

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Es regnet sich so richtig ein… wir gehen Rodizio essen:

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Die Wettervorhersage für den nächsten Tag: strahlend blauer Himmel. Wir wollen diesen Jesus mal persönlich kennenlernen. Bei schönster Sonnen fahren mit der Bimmelbahn den Berg Corcovado hoch, um „Grüss Gott“ zu sagen. Oben angekommen lernen wir das Mikroklima kennen. Überm Berg bleiben die Wolken kleben und so warten wir geschlagene zwei Stunden bis wir wieder den Berg runterfahren…

Die Wettervorhersage für den nächsten Tag: strahlend blauer Himmel. Diesmal sparen wir uns den Taler, stehen um 6 Uhr auf und laufen in der anfänglichen Hitze den Berg hinauf. Wir ölen was das Zeug hält. Zum Glück halten uns die Affen am Strassenrand bei guter Laune:

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Oben angekommen lernen wir das Mikroklima kennen. Uberm Berg bleiben die Wolken kleben und …täglich grüsst das Murmeltier…wir kaufen nicht nochmal ein Eintrittsticket für die nächsten zwei Stunden im Nebel…denken wir! Also geht´s wieder runter. Weiter unten an einem Aussichtspunkt machen wir noch einen kurzen Boxenstopp:

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Momentamoal! Wenn wir den Jesus sehen können… wir fahren mit dem Bus schnell wieder zurück und zahlen gern den gleichen Preis wie gestern. Denn diese Aussichten waren aller Mühe wert:

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Heut ist unser Tag. Wir nutzen den Segen Gottes … und die Gunst der Stunde und fahren mit der Gondel auf den Pao do Azucar – den Zuckerhut.

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Den Caipirinha haben wir uns heut wirklich verdient und so geniessen wir den Sonnenuntergang über der Copa Copacabana:

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Und genau an dieser Copacabana gehen wir am nächsten Tag sonnenbaden und lassen uns auch mehrmals von den Wellen umhauen. Man soll aufhören wenn´s am schönsten ist und an der Zeit ist es sowieso:

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So machen wir uns also nach 7 Monaten mit einem Koffer voller wunderschöner Erinnerungen auf die Rückreise nach Deutschland.

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